Stellenanzeigen, zu denen kein Bewerber "Nein" sagen kann

Dass Arbeitgeber ihre Jobangebote in die Zeitung stellen können und die talentiertesten Bewerber sich darum reißen, war gestern. 

Heute beruht die Selbstdarstellung auf Gegenseitigkeit.

“Hallo, ich bin ein ganz toller Arbeitgeber und Sie müssen unbedingt für mich arbeiten. Ich sage Ihnen auch, warum.” So nicht.

Mitarbeitersuche ist nichts anderes, als Marketing zu betreiben. Deshalb brauchen Sie Stellenanzeigen, die wirken.

Dafür lassen sich gängige Marketing-Grundlagen wie die AIDA-Formel (Attention, Interest, Desire, Action) problemlos und gut darauf anwenden. Mit AIDA als Leitfaden lassen sich leicht Stellenanzeigen formulieren, die attraktiv wirken und auch bei den Lesern hängenbleiben.

Sie möchte zu einem Bewerbermagneten werden? Dann gehen Sie am Besten so vor:

Erregen Sie Aufmerksamkeit (Attention)

Kein Wow, kein Klick.

Wie bei einem guten Zeitungsartikel ist die Überschrift entscheidend dafür, ob dieser überhaupt gelesen wird.

Nur, wenn die Aufmerksamkeit des potentiellen Bewerbers erregt wird, können alle weiteren Komponenten der Stellenanzeige ihre volle Wirkung entfalten.

Aufmerksamkeit wird erzeugt durch Sichtbarkeit und somit strukturierte Daten.

Was ist damit gemeint?

Was nicht auf meinem Bildschirm erscheint, kann ich auch nicht lesen.

Suchmaschinen arbeiten nun einmal nach bestimmten Algorithmen/Vorgaben und wenn ich mich nicht daran halte, werde ich nicht gefunden. Pech gehabt!

Deshalb ist es wichtig, die Stellenanzeigen so zu strukturieren, dass eine Suchmaschine wie Google diese auch erkennt und ausspielt. 

Unterstützung gefällig?

Google for Jobs hilft dabei, kostenlose Reichweite für Stellenanzeigen zu bekommen, wenn man sich an die dafür nötigen Vorgaben hält.

Ein No-Go sind Stellenanzeigen per PDF.

Sie wird von Suchmaschinen einfach nicht als solche erkannt und ist somit irrelevant.

Sie taucht bei keiner Suche aus den Tiefen des Internets auf und wird daher auch nie der Beginn einer wunderschönen Beziehung werden; egal, mit wie viel Liebe und Hingabe sie erstellt wurde. Vergebene Liebesmühen sozusagen.

Aufmerksamkeit erzeugt auch der Jobtitel.

Er ist Teil der strukturierten Daten, das heißt, er muss eine allgemeingültige Jobbezeichnung sein, um gefunden zu werden.

Außerdem suche ich als Jobanwärter nach bestimmten Schlüsselwörtern, an denen mein Auge hängenbleibt. Als Tischler suche ich nach dem Anzeigentitel Tischler und eben nicht nach einem Eichenholz-Ninja.

Deshalb sachte mit der Kreativität an dieser Stelle und einfach dem Rezept folgen.

Wecken Sie Interesse (Interest)

Sie haben meine Aufmerksamkeit.

Ich habe die Anzeige gefunden und sie für mich als relevant eingestuft. Jetzt müssen Sie auch inhaltlich liefern, sonst bin ich wieder weg. Und glauben Sie mir, ich werde wahrscheinlich nicht wiederkommen.

Deshalb: aus Bewerbersicht interessante Informationen an erster Stelle. Nicht die Infos, die Sie als wichtig erachten.

Weder will ich jetzt schon wissen, wann Ihr Unternehmen gegründet wurde, noch sonst irgendeinen Teil Ihrer Unternehmenslegende lesen.

Ich möchte genau eine Frage beantwortet haben, die lautet:

Was habe ich davon, wenn ich in Ihrem Unternehmen arbeite?

Photo by Shane on Unsplash

Als angehender Bewerber bin ich in meinem eigenen Universum unterwegs, mit meinem Nabel als Zentrum der Welt. Aus dieser Sicht interessiert mich eben erst einmal nur diese eine Frage.

Deshalb gerne erst einmal loslegen mit den Benefits und dem „Duft“ Ihrer Firma; also die Kernbotschaft Ihres Unternehmens, die Sie hoffentlich vorher erarbeitet haben.

Und das bitte authentisch, klar und ansprechend. “Wer sind wir für wen? Was wollen wir erreichen? Und was können wir unseren Mitarbeitern bieten?”. (Anziehende und antörnende Benefits gibt es in einem späteren Artikel.) 

Hier zeigt sich die Wichtigkeit, sich wenigstens einmal über den Unternehmenskern Gedanken gemacht zu haben; über Werte, Ziele und das Miteinander in der Firma.

Denn das sind die Unterschiede zwischen „Schrauben-Meier“ und „Schrauben-Meyer“ auf dem Arbeitsmarkt. 

Kitzeln Sie Wünsche (Desire) heraus

Jetzt haben Sie mich, zumindest mein Interesse.

Ich weiß, was für mich drin ist und kann etwas mit Ihrer Kernbotschaft anfangen – ich finde Sie also erst einmal sympathisch. 

Nun möchte ich weitere Infos, was wollen Sie denn überhaupt von mir?

Aber bitte kurz und knapp, denn die meisten Anzeigen werden mittlerweile auf dem Handy gelesen. Da macht sich ein langer Text nicht gut. Und auch ohne Buzzword Bingo und Allgemeinplätze wie: motiviert, teamfähig, zuverlässig…

Kein Unternehmen nirgends auf der Welt sucht einen unmotivierten Soziopathen, der sämtliche Termine verschwitzt.

Hier können Sie gerne beginnen, mit einer Prise Humor zu würzen.

Viel besser (und menschlicher) ist es, die Unwägbarkeiten Ihrer Stelle humorvoll darzustellen, als ein hochglanzpoliertes, wenig authentisches „Wir sind das tollste Unternehmen weit und breit.”.

Klar und witzig: Was kann ich von Ihnen erwarten? Auch hier zeigen sich wieder die Unternehmenswerte.

Wenn Sie die Wirkung Ihrer Anzeige deutlich erhöhen wollen, schreiben Sie das Gehalt mit in die Anzeige. Schließlich machen Sie mir mit Ihrer Anzeige ein Angebot. Da sollte die wichtigste Information nicht fehlen. Das hebt Sie deutlich von anderen ab und ist ein Zeichen für Klarheit und Verbindlichkeit. 

So, jetzt habe ich wieder etwas mehr über Sie erfahren.

Erst jetzt kommt der Teil, in dem Sie mir schreiben, was Sie sich von mir wünschen. Ich schreibe bewusst “wünschen” und nicht “erwarten”. 

Auch hier: Kurz und authentisch, Soft Skills und Hard Skills. Gerne in „must have“ und „nice to have“ unterteilt.

Die eierlegende Wollmilchsau ist mit den Dinosauriern ausgestorben. Die brauchen Sie nicht mehr zu suchen.

Auch den Studienabgänger mit zehnjähriger Erfahrung zum Praktikantengehalt dürften Sie nicht finden – wenn, dann ist Vorsicht geboten.

Nur wenn Sie klar formulieren, wen und was Sie wirklich suchen, besteht die Chance, es auch zu finden.

Nun die große Frage:

Wie muss eine Stellenanzeige gestaltet sein, damit sie möglichst viele tolle Bewerber anspricht?

Klassischerweise beantwortet die Stellenanzeige alle sieben W-Fragen:

  • Was erwarten Sie? (Anforderungen)  
  • Was können Sie bieten? (Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten, Benefits etc.)
  • Wozu brauchen Sie Verstärkung? (Stellenbeschreibung)
  • Wann geht’s los? (Frühestmöglicher Eintrittstermin)
  • Wo sitzt das Unternehmen? (An welchem Ort ist der gesuchte neue Mitarbeiter tätig?)
  • Wer sind Sie? Wer sind wir? (Vorstellung des Unternehmens)
  • Wen suchen Sie (Soft Skills, Hard Skills)? 
  • Wie kann ich mich bei Ihnen bewerben? (Kontaktdaten, Bewerbungsmodalitäten)

 

Bringen Sie den Bewerber in Action

Du willst es doch auch.

Der Interessent soll endlich auf den „Jetzt bewerben“ Button klicken.

Als Bewerber suche ich und suche ich. Denke, ich habe die perfekte Stelle gefunden. Bin ganz heiß darauf, mich zu bewerben und finde nur ein:

„Bei Interesse wenden Sie sich bitte per E-Mail an unsere Frau Müller unter bewerbung@…“

Bild von Alexas_Fotos auf Pixabay

Bäm. Voll gegen die Wand geprallt. Alles kaputt. Der Salzstreuer ist mitten ins Essen gefallen und hat das sorgfältig abgestimmte Rezept unbrauchbar gemacht.

Ich will mich bewerben.

Zeigen Sie mir wie und machen Sie es mir so einfach wie es geht. Ohne viel zu klicken kurz ein Formular ausfüllen, Lebenslauf hochladen und ab dafür.

Ich habe als Bewerber wenig Arbeit und Frau Müller bekommt die Bewerbung direkt in ihre Bewerbungsmanagementsoftware geschickt, wo sie auf einen Blick alle Bewerbungen DSGVO konform verwaltet. Noch die automatisierte Eingangsbestätigung versendet und voila, der Bewerber ist angekommen, zumindest im System.

Jetzt gilt es, ihn nur noch gut betreut durch den Bewerbungsprozess zu leiten, ihn regelmäßig über den Stand der Bewerbung zu informieren und mit ihm wie mit einem Kunden zu kommunizieren. Wertschätzend und auf Augenhöhe.

Und da haben Sie mich, den Mitarbeiter, den Sie gesucht haben. Und ich habe von Anfang an ein gutes Gefühl, bei der richtigen Firma gelandet zu sein, weil der ganze Bewerbungsprozess so unkompliziert war.

Ein schlanker und guter Bewerbungsprozess ist ein Gewinn für alle Beteiligten.

Mit der AIDA-Formel für Stellenanzeigen, die wirken, kann man also recht einfach Jobanzeigen erstellen, die sich aus dem Einheitsbrei abheben und Wirkung haben.

Haben Sie es schon einmal versucht? Schreiben Sie gerne in den Kommentaren von Ihrer Erfahrung.

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